Campus Biedensand: Größtes Schulbauprojekt des Kreises nimmt Formen an

Die ADS (links) und das LGL (oben) erhalten in den nächsten zehn Jahren ein neues Gesicht. Archivfoto: Thorsten Gutschalk

Von Vanessa Joneleit

LAMPERTHEIM – Gestern noch in der Seifenkiste, heute schon in der Rakete. Die Worte des Ersten Stadtrats Jens Klingler verdeutlichen ziemlich genau, in welche Dimensionen die Stadt Lampertheim vorstößt, wenn der „Campus Biedensand“ Formen annimmt. Rund 60 Millionen Euro investiert der Kreis Bergstraße, um in der Spargelstadt die bislang größte schulbauliche Maßnahme umzusetzen. Wie die genau aussehen soll, berichteten die Verantwortlichen am Montag im Anschluss an die erste Besprechung der Planungsphase beim Eigenbetrieb Schule und Gebäudewirtschaft. Das Fazit: Alles wird neu.

Die Gruppe „Opus Architekten“ aus Darmstadt arbeitet seit einem Jahr am Projekt „Campus Biedensand“. „Wir wurden mit der Entwicklung eines Masterplans betraut“, erklärte Anke Mensing, deren Team in Lampertheim durchaus brauchbare Voraussetzungen vorfand: ein guter Standort zwischen Stadt und Altrhein und vier Schulen mit unterschiedlichen Schulformen. „Unser Ziel ist es, den Campusgedanken sichtbar zu machen. Wir wollen die Schulen öffnen und eine gemeinsame Mitte schaffen.“ Geplant ist, die erste Bauphase dem Lessing-Gymnasium, die zweite der Alfred-Delp-Schule zu widmen. Die Biedensand- und die Elisabeth-Selbert-Schule werden nicht erneuert, sind aber Teil des Campusgedankens.

 

Im vergangenen Jahr wurden vom Architekturbüro Bestand und Sanierungsbedarf der beiden Schulen erfasst, nach vielen Abwägungen dann der Schluss: Es macht keinen Sinn, in eine Sanierung der Gebäude zu investieren. Wie das Szenario Neubau aussehen könnte, verdeutlichten die Mitarbeiter der Architektengruppe anhand von Skizzen. Angedacht ist, die Altrheinhalle, die bislang als Schulturnhalle und für Vereine genutzt wurde, abzureißen. „Es wäre kaum zu verantworten, diese noch energetisch zu sanieren. Hinzu kommt, dass einige Dinge wie die Tribüne ohnehin nicht mehr benötigt werden“, betonte Mensing. Eine Option, die mehrere Vorteile bringt: Zum einen wird ein großes Baufeld geschaffen, zum anderen entfällt die Notwendigkeit einer Container-Lösung. Es kann parallel zum normalen Schulalltag gebaut werden.

Landrat Christian Engelhardt: „Statt Flur für Flur alles abzuarbeiten, können auf diesem Weg schnell hochmoderne Unterrichtsräume geschaffen werden.“ Und obwohl er für das Gesamtprojekt mit einer grob berechneten Bauzeit von mindestens zehn Jahren rechnet, könnten von dem Neubau schnell die ersten Schülergenerationen profitieren.

Wenn das LGL in den Neubau zieht, so sei laut Architektin Anke Mensing in einer zweiten Bauphase geplant, das Naturwissenschaftliche Zentrum der ADS abzureißen – die Schüler können in der Zwischenzeit wiederum in den alten Räumen des LGL unterkommen. „Dann haben wir die Möglichkeit, einen echten Campus zu schaffen“, betonte die Architektin, die sich eine große gemeinsame Grünfläche als Herzstück des Campus’ vorstellt.

Engelhardt betonte, dass der Campus nicht alleine den Schulen diene, sondern sich in das städtebauliche Entwicklungskonzept der Stadt füge. Ein Thema werde auch der Verkehr rund um die Schulen, der in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt hatte. „Wenn wir alles neu machen, können wir auch hierfür eine Lösung finden. Das funktioniert aber nur, wenn die Stadt mitmacht“, so der Landrat.

Bevor die Architekten mit genaueren Planungen beginnen, befinden sich die Beteiligten allerdings in der Planungsphase null. Heißt: In moderierten Runden sollen Kreis, Schulen und Stadt an einen Tisch geholt und gemeinsam über genaue Vorstellungen beratschlagt werden. „2018 haben wir erst mal für diese Planungsphase null reserviert“, betonte Engelhardt. Sei diese abgeschlossen, könnten sich dann die Architekten ans Werk machen. Das Bauprojekt ist dringend nötig, weil die Schulen aufgrund steigender Schülerzahlen in der Vergangenheit verstärkt mit Raumnot zu kämpfen hatten. Auch die bauliche Substanz und die energetische Ausstattung können die Anforderungen nicht mehr erfüllen.

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