„Da sind Rohdiamanten dabei“

Alfred-Delp-Schule unternimmt zahlreiche Anstrengungen, um Schüler in die Berufswelt zu bringen

Von Oliver Lohmann
Um Schüler in die Berufswelt zu geleiten, engagiert sich die Lampertheimer Alfred-Delp-Schule auf vielfache Weise: vor allem durch eine intensive Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region.

Ein Angebot für die Schüler: An der Alfred-Delp-Schule gibt es sogar einen Berufsinformationsraum. Foto: Thorsten Gutschalk

LAMPERTHEIM – Dass Schüler Praktika machen, um einen Einblick in die Berufswelt zu erhalten, ist seit vielen Jahren gang und gäbe. An der Alfred-Delp-Schule (ADS) wird dieser Übergang aber so ernst genommen, dass es viele weitere Projekte gibt. Die Berufsorientierung ist integraler Bestandteil des Schulprofils und zieht sich wie ein „roter Faden“ durch alle Jahrgangsstufen. Sogar an einem Ausbildungsverbund auf Initiative des Bürgermeisters beteiligt sich die Schule.
Praxistage und Praktika sind Pflicht für Haupt- und Realschüler. Doch das reicht in vielen Fällen nicht aus, um die jungen Leute für einen bestimmten Ausbildungsberuf zu begeistern. Daher gibt es einmal im Jahr die vom Rotary-Club organisierte Berufsinformationsbörse in der ADS. „Die Börse dient dazu, die Schüler auf das vielfältige Berufsangebot aufmerksam zu machen. Das genügt aber nicht, weitere Veranstaltungen zur Berufsorientierung sind notwendig“, erklärt stellvertretender Schulleiter Alexander Böhm.
Einstiegshilfe, Beraterin und Informationsraum
Zudem gibt es einen Informationsraum an der Schule, eine Berufeinstiegshilfe, und eine Berufsberaterin geht in die Klassen. Im Wahlpflichtunterricht der höheren Klassen gibt es Angebote, die von Lehrern der kooperierenden Berufsschulen durchgeführt werden. Böhm ist froh darüber, dass sich Firmen aus der Region bei Bewerbertagen engagieren. „Das ist ein Bewerbungstraining von Unternehmen in einer Gruppe von acht Schülern, ein erfolgreiches Format“, urteilt Böhm. Manche Firmen kämen seit diesem Schuljahr sogar in den Unterricht, um mit den Schülern zu sprechen, diese über bestimmte Ausbildungsberufe und Unternehmen zu informieren.
BERATUNG

Termine für Beratungsgespräche können Menschen, die eine Ausbildungsstelle suchen, unter Telefon 0800-4 55 55 00 oder persönlich in der Agentur für Arbeit vereinbaren. (olo)
„Die Firmen sollten die Schüler zu Praktika einladen, um ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen. Die Unternehmen, die im Elfenbeinturm sitzen und darauf warten, dass die Schule maßgeschneiderte Azubis schickt, gehen leer aus“, sagt Alexander Böhm. Inzwischen hätten viele Firmenchefs und Personalabteilungen genau das verstanden. Ein Knackpunkt sei, dass viele junge Menschen in Büro-Berufsfelder strebten. Vom Handwerk seien viele nicht begeistert. Gerade Unternehmen, die Ausbildungsplätze im Bereich Handwerk anbieten, müssten sich um die potenziellen Azubis bemühen. Die ADS beteiligt sich auch an einem Ausbildungsverbund Lampertheimer Unternehmen für den Beruf des Zerspanungsmechanikers. „Es ist doch schließlich sinnvoll, wenn Lampertheimer Schüler in ihrer Heimatstadt einen Ausbildungsplatz finden und nicht erst in andere Städte fahren müssen“, findet Böhm.
Froh ist Alexander Böhm auch darüber, dass viele Unternehmen mittlerweile ihre soziale und gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen: „Manche stellen bewusst auch Hauptschüler als Auszubildende ein. Das ist auch gut so. Da sind einige Rohdiamanten dabei“, versichert der Pädagoge. Auch Schüler ohne Abschluss könnten sich zu guten, engagierten Azubis entwickeln, sofern die Unternehmen diesen eine Chance gäben. „Wir helfen auf jeden Fall bei einem sauberen Übergang von der Schule in die Berufswelt.“
Und umgekehrt müsse den Schülern klar werden, dass sie zwar gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt hätten, aber dazu müsse man sich eben informieren und Kontakte knüpfen. Leider gingen einige Schüler das Thema zu ängstlich und wenig reflektiert an, wollten nach dem Abschluss von Haupt- oder Realschule erst einmal einen höheren Bildungsabschluss anstreben und dabei weitere Zeit für die gewiss nicht einfache Entscheidung gewinnen. „Zum Glück verstehen die meisten inzwischen, dass der umgekehrte Weg sinnvoller ist. Erst eine Ausbildung machen und danach gegebenenfalls noch eine schulische Weiterbildung ist häufig der bessere Weg“, urteilt Alexander Böhm.
In der Zukunft will die ADS die Berufsorientierung noch weiter intensivieren: „In der neunten Hauptschulklasse sollen es drei Praktikumswochen werden, die mit der Abschlussprüfung verknüpft werden“, erklärt Böhm. Vielen Schülern tue es auch gut, in die Berufswelt hineinzuschnuppern. „Manche, die in der Schule nicht so gut sind, merken, dass sie im Praktikum Erfolge haben, das fördert ihr Selbstbewusstsein“, so Böhm, der sich darüber hinaus für Probepraktika der Schüler in den Ferien ausspricht, notfalls auch während der Schulzeit. Denn: „Wir wollen, dass die Kinder nach ihrer Schulzeit in der Berufswelt landen statt im Nichts.“
Dass die Lage auf dem Ausbildungsmarkt gut ist, bestätigt auch die Agentur für Arbeit: Es gibt mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber. „Jugendliche, die immer noch auf der Suche sind, sollten unbedingt über Alternativen zum Traumberuf nachdenken und die Angebote unserer Berufsberatung nutzen“, erläutert Birgit Förster, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Darmstadt.
© VRM GmbH & Co. KG

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.ads-lampertheim.com/da-sind-rohdiamanten-dabei/