In der „Wiege der Demokratie“

Von Christian Hofmann

Deutsch-polnisches Austauschprojekt mit Schülern aus Schweidnitz / Besuch des Hambacher Schlosses

Zum Abschluss gibt es für die Teilnehmer der vier Schulen einen Empfang im Lampertheimer Rathaus. Foto: Thorsten Gutschalk

LAMPERTHEIM – „Ich freue mich, dass wir hier den Abschluss eines verlängerten Wochenendes haben und dass wir uns austauschen können, was ihr erlebt habt“, erklärte Bürgermeister Gottfried Störmer im Sitzungssaal der Stadtverwaltung. Rings um den Rathauschef herum saßen Schüler in gelben und roten T-Shirts.
Vom vergangenen Donnerstag bis zum gestrigen Montag fand ein deutsch-polnischer Schüleraustausch statt zwischen dem Litauischen Gymnasium Hüttenfeld, dem Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium, der Lampertheimer Alfred-Delp-Schule und der Schule Pszenno in der polnischen Gemeinde Schweidnitz. Im Lampertheimer Stadthaus durften die 22 teilnehmenden Jugendlichen mit einem Beamer-Vortrag über ihre Erfahrungen berichten. Seit Februar 2006 besteht eine partnerschaftliche Vereinbarung zwischen der polnischen Gemeinde Schweidnitz und der Stadt Lampertheim.
Unter anderem besichtigten die deutschen und polnischen Heranwachsenden das Hambacher Schloss in der Pfalz, das als Geburtsstätte der deutschen Demokratie gilt. Ein Gästeführer zu Pferd und mit wehender Fahne leitete die Besuchergruppe den Weg hoch auf den Berg zum Schloss, wo Ministerpräsidentin Malu Dreyer die polnisch-deutschen Besucher empfing und das Gespräch suchte.
„Das war echt eine Erfahrung, mit so einer prominenten Politikerin zu sprechen, die man schon im Fernsehen gesehen hat“, begeisterte sich Schülerin Julia Hörl, die das Litauische Gymnasium im Stadtteil Hüttenfeld besucht und dort in die 12. Klasse geht. „In ihrer Rede ging Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf die Frauenrechte ein, was für uns Mädels wichtig war“, berichtete Teilnehmerin Julia Hörl. „Ich bin über meinen Geschichtskurs zu diesem deutsch-polnischen Projekt gekommen, da wurden wir eingeladen“, schilderte die 16-Jährige. Zudem durften sich die Besucher die altertümliche Fahne des Hambacher Festes aus dem Jahre 1832 anschauen.
Seit Mai 2004 ist die parlamentarische Republik Polen ein Mitglied der Europäischen Union. Jedoch bedauerten einige Jugendliche, dass die musealen Ausstellungen im Hambacher Schloss ausschließlich die überlieferte Historie der Demokratie behandeln und kaum tagesaktuelle Entwicklungen rund um diesen Begriff aufgreifen.
Mangelnde Aktualität der Ausstellung beklagt
„Wir werden das an das Hambacher Schloss weitergeben. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, diesen Austausch weiterzuführen“, versprach Bürgermeister Störmer und ergänzte: „Es ist ein reizvolles Thema, das aktuelle Europa zu diskutieren.“ Darüber hinaus besichtigten die Pennäler den Wormser Dom, das Martin-Luther-Denkmal und den Jüdischen Friedhof in der benachbarten Nibelungenstadt.
Im Sitzungssaal des Stadthauses spielten die Jugendlichen einen kurzen Videoclip auf der Leinwand ab. „Hurra, wir fahren nach Deutschland, the German friends!“, jubelten darin fünf polnische Schüler, die voller Erwartung in einem Kleinbus saßen. Zum Schluss ließ Bürgermeister Störmer blaue Plastikbehälter, auf denen „Heldenbox“ zu lesen stand, mit Pralinen darin an die deutschen und polnischen Heranwachsenden verteilen.
„Auf dem Hambacher Schloss haben wir gelernt, wie man ein Gespräch führen kann, ohne sich zu streiten“, erklärte Schülerin Julia Hörl, die in dem 17-jährigen Kasper Grzoa einen Freund für den Austausch per E-Mail gewonnen hat. Allerdings konnten die Jugendlichen aufgrund des umfangreichen Tagesprogramms abends nur wenig Zeit miteinander verbringen.
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