Dem europäischen Gedanken Leben eingehaucht

Schüler der Alfred-Delp-Schule besuchten im Rahmen einer deutsch-polnischen Jugendbegegnung Begegnungsstätte „Stiftung Kreisau”

Ein gemeinsames Europa lebt von gegenseitiger Beziehung – dies stellten Schüler der Alfred-Delp-Schule und polnische Schüler aus Swidnica eindrucksvoll im Rahmen eines Austauschs unter Beweis. Foto: oh

LAMPERTHEIM – In besonderer Art und Weise hauchten Schüler der Alfred-Delp-Schule im November dem Gedanken eines gemeinsamen, friedlichen Europas Leben ein und schlossen dabei Freundschaften fürs Leben: 17 Schüler der Lampertheimer Schule besuchten im Rahmen einer deutsch-polnischen Jugendbegegnung die historische Begegnungsstätte „Stiftung Kreisau”, die auf der Gemarkung der Partnerstadt Swidnica liegt.

Am Montag berichteten die Schüler Bürgermeister Gottfried Störmer und dessen Vorgänger Erich Maier von ihren Erlebnissen, ihren Erfahrungen und den gewonnenen Eindrücken. „Wir freuen uns, dass ihr heute zu uns gekommen seit. Kreisau ist für Lampertheim eine bedeutende Stätte, unser Ehrenbürger Alfred Delp war dort im Widerstand tätig, in einer der nichtrühmlichsten Zeiten der Geschichte für Deutschland. Gerade angesichts der Ereignisse im 2. Weltkrieg ist es fantastisch, dass Deutschland und Polen sich angefreundet haben und in Kreisau ein Platz für die Jugend Europas geschaffen wurde. Schön, dass sich die Alfred-Delp-Schule dauerhaft mit diesem Treffpunkt verbinden möchte, um bei Treffen mit anderen europäischen Jugendlichen die Feindschaft, die wir nicht mehr haben möchten, für die Zukunft zu verhindern”, betonte Bürgermeister Störmer.

Die Schüler der Alfred-Delp-Schule, die größtenteils als Streitschlichter an ihrer Schule fungieren und die 7. bis 10. Klasse besuchen, berichteten eindrucksvoll von ihrer Reise und gaben so einen tiefen und persönlichen Einblick in ihre Erlebnissen. Spiele, Gespräche und gemeinsame Aktionen standen dabei ebenso auf dem Programm wie die Geschichte. So wurde den polnischen Schülern durch ihre Lampertheimer Gäste Pater Alfred Delp näher gebracht, während diese so mehr über den polnischen Widerstandskämpfer Florian Marciniak berichteten – beide Seiten waren über die Gemeinsamkeiten überrascht. Selbstverständlich wurden auch der Sitz des Kreisauer Kreises besichtigt, ebenso wie besondere Orte in Swidnica sowie in Breslau, wo eine englischsprachige Führung auf dem Programm stand. Generell wurde von Beginn an Englisch als gemeinsame Sprachebene gewählt, was nicht nur das Sprachverständnis in diesem Bereich förderte, sondern von Beginn an einen regen gegenseitigen Austausch ermöglichte. So auch in gemeinsamen Kursen und Workshops sowie einem Internationalen Abend, bei dem die deutschen Schüler einen polnischen Volkstanz und polnische Speisen kennen lernten. Auf der anderen Seite waren die polnischen Schüler überrascht, aus wie vielen Ländern die Lampertheimer Schüler ursprünglich stammen.

Das gegenseitige Verständnis wuchs zu echter Freundschaft unter den Jugendlichen, so dass am Ende ein emotionaler Abschied stand, verbunden mit der Hoffnung und der Freue auf ein baldiges Wiedersehen. Der Kontakt sei nach wie vor sehr gut, „denn wir sind sehr gute Freunde geworden”, so die Schüler der Alfred-Delp-Schule. Dass dies auf Gegenseitigkeit beruht, zeigte ein Video, dass die polnischen Schüler aufgenommen haben. In diesem brachten sie ihre Freude zum Ausdruck, die deutschen Schüler kennen gelernt und viel über Deutschland und Lampertheim erfahren zu haben. „Wir konnten viel voneinander lernen”, war das gemeinsame Fazit aller Schüler, und auch die Lehrer zeigten sich begeistert: „Die Jugendlichen waren sehr kreativ und sehr offen und haben ein Stück Kultur und Geschichte kennen gelernt, in einer tollen Atmosphäre und Gemeinschaft. Beide Seiten haben bewiesen, dass wir Europäer sind.”

Damit auch die Schüler der 10. Klassen, die im kommenden Sommer die Schule verlassen werden, nochmals ihre neu gewonnenen Freunde sehen können, wurde bereits der Termin für den Gegenbesuch von polnischer Seite in Deutschland festgelegt: Vom 4. bis 8. Juni 2018 werden die Jugendlichen eine gemeinsame Zeit in der Jugendherberge Erbach verbringen und die frisch begonnene Beziehung weiter vertiefen.

Erfreulich war das Engagement von Erich Maier, der in seinen Funktionen im Rotary Club als auch in der Bürgerstiftung dazu beigetragen hat, dass diese Reise für die Jugendlichen finanziert werden konnte. „Vielen Dank für dieses Engagement, es war eine sehr kostspielige Anreise, die sonst nicht möglich gewesen wäre”, freute sich Herma Dölger, Lehrerin der Alfred-Delp-Schule. Erich Maier stellte klar, dass „sowohl der Rotary Club als auch die Bürgerstiftung nicht jede Klassenfahrt unterstützen werden, sondern dass dieses Engagement dem Thema Kreisau und Pater Alfred Delp geschuldet ist. Wir unterstützen einen Austausch wie diesen sehr, da es Teil unserer Geschichte ist, der sehr problematisch belegt ist. Wir werden den Austausch in diese Beziehung auch in Zukunft weiter unterstützen, da die Schüler so vor Ort einen Eindruck von der Geschichte und unserer Nachbarn gewinnen können.“

Europa lebt von den Menschen, die hier beheimatet sind. Daher sind Austausche wie dieser wichtig, denn Europa braucht Freundschaften wie diese”, schloss Bürgermeister Störmer und dankte für den lebendigen und spannenden Vortrag. Benjamin Kloos

© 2017 TIP-Verlag Lampertheim


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