Ein spürbarer Erfolg: Weniger Wechsel auf dem Weg zum Beruf

Bildung: Heinrich-Metzendorf-Schule will Kooperation mit anderen Schulen im Kreis ausbauen

Die Heinrich Metzendorf Schule in Bensheim wiederholte gestern Nachmittag die Kooperationsvereinbarungen mit sechs weiterführenden Schulen im Kreis Bergstraße. Dabei handelt es sich um die Alfred-Delp-Schule in Lampertheim, die Schillerschule in Bensheim, die Kirchbergschule in Bensheim, die Weschnitztalschule in Mörlenbach, die Martin-Buber-Schule in Heppenheim und die Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim. Bild: Dietmar Funck

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

Bergstraße. Die Effekte einer frühen und intensiven Berufsorientierung lassen sich schlecht messen. Schon gar nicht nach wenigen Jahren. Dennoch: Gut informierte Abgänger bleiben häufiger und erfolgreicher in der Spur. Wie es geht, zeigt ein Kooperationsmodell im Kreis Bergstraße.

„Wir spüren: Wer durch die Orientierung gegangen ist, wechselt seltener den eingeschlagenen Ausbildungs- oder Berufsweg“, betont Friedrich Eichenauer. Er ist stellvertretender Leiter der Heinrich-Metzendorf-Schule (HMS) in Bensheim. Das berufliche Schulzentrum für den Kreis Bergstraße will noch mehr Schülern die Chance bieten, eine Karriere nach ihren Vorstellungen und Fähigkeiten einzuschlagen. Dafür hat die HMS jetzt die Partnerschaft mit sechs allgemeinbildenden Schulen im Kreisgebiet erneuert. Durch die Kooperation nutzen sie das facettenreiche Bildungsangebot sowie die vielseitigen Qualifikationen und personellen Ressourcen aus dem Repertoire der HMS.

„Die Berufswahl ist für viele Schüler ein schwieriger Prozess“, so Schulleiter Wolfgang Freudenberger bei der Vertragsunterzeichnung. Wer nicht genau weiß, welche Inhalte und Anforderungen auf ihn warten, hat denkbar schlechte Karten. Ausbildungsabbrüche kosten Zeit und Aufwand. Ein späteres Umsatteln ist schwieriger als die frühe Erkenntnis, dass ein bestimmtes Berufsfeld nicht in Frage kommt. Für Friedrich Eichenauer ist auch eine negative Entscheidung letztlich ein positives Ergebnis im ganz persönlichen Orientierungsprozess. Durch ein verzahntes Angebot lasse sich die Qualität der Berufswahl deutlich verbessern, heißt es aus dem Leitungsteam der Metzendorf-Schule.

Die richtige Entscheidung treffen

Das sieht das Hessische Kultusministerium ebenso. In einem „Erlass zur Ausgestaltung der Berufs- und Studienorientierung in Schulen“ aus dem Jahr 2015 wird die Koordinierung der berufsorientierenden Maßnahmen an den allgemeinbildenden Schulen ab Klasse fünf offiziell eingefordert. An Haupt- und Realaschulen sollen Koordinatoren das Angebot verwalten und im Rahmen eines fächerübergreifenden Curriculums anbieten.

Die Schüler sollen am Ende ihrer schulischen Laufbahn in der Lage sein, eine ihren Kompetenzen entsprechende, fundierte Berufs- oder Studienwahlentscheidung zu treffen. Dabei geht es um die Vermittlung sowohl fachlicher wie auch anderer, vor allem sozialer Kompetenzen.

Die sechs Bergsträßer Schulen machen gerne mit. Weitere können jederzeit aufspringen, wie Freudenberger betont. Als jüngste Schule im Netzwerk war vor zwei Jahren die Alfred-Delp-Schule in Lampertheim dazugekommen. „Trotz der räumlichen Distanz profitieren unsere Schüler von der Zusammenarbeit“, so der stellvertretende Schulleiter Alexander Böhm. Die achten und neunten Klassen schnuppern im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts in die Fachbereiche Farb- und Elektrotechnik hinein.

In der Auerbacher Schillerschule sind es Schüler aus den neunten Hauptschulklassen, die an der HMS umfassend über die Sparten Metalltechnik, Ernährung und Arbeitslehre informieren. An einem Tag werden dafür vier Unterrichtsstunden reserviert. „Das können wir als allgemeinbildende Schule in dieser Tiefe gar nicht leisten“, so Schulleiter Günter Schneider.

Von der Kooperation überzeugt

Aus der Kirchbergschule werden Jugendliche aus den siebten und achten Klassen in die nahe Berufsschule geschickt. Gabriele Ganzert ist seit November neue Leiterin der Förderschule. Auch sie ist von der Kooperation überzeugt. Auch von der Potenzialanalyse, durch die junge Menschen ihre beruflichen Kompetenzen erkennen und gezielt fördern können. Hamet heißt das Testverfahren, das insbesondere an Schüler mit höherem Förderbedarf entwickelt wurde.

„Es könnten noch mehr Schüler mitmachen“, sagt Leiterin Petra Röhrig von der Heppenheimer Martin-Buber-Schule. Die Haupt- und Realschüler der achten und neunten Jahrgänge erfahren viel über Berufe in den Fachbereichen Metall-, Farb- und Holztechnik. Jeder soll mindestens vier verschiedene Berufe „ausprobieren“. Lehrer der HMS kommen regelmäßig nach Heppenheim zum Unterricht. Ein Schulterschluss, von dem die künftigen Abgänger enorm profitieren, so die Schulleiterin, die sich wünscht, dass mehr Schüler den Wert des Angebots erkennen.

Weitere Kooperationspartner sind die Weschnitztalschule in Mörlenbach (Schulleiter ist Günther Röpert) und die Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim. Die kooperative Gesamtschule nutzt das Know-how von Fachlehrern für Informatik für das Bildungsangebot der hauseigenen Oberstufe. „Es funktioniert hervorragend“, so Schulleiterin Dr. Angela Lüdtke.

Für Friedrich Eichenauer ist das schulübergreifende Orientierungskonzept auch im eigenen Interesse der HMS: „Viele der jungen Leute sehen wir in einem unserer Bildungsgänge wieder.“

 

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