Muttersprache spielt keine Rolle

Nachbetrachtung einer eindrucksvollen Woche: Zehntklässler der Alfred-Delp-Schule berichten am Montag im Lampertheimer Rathaus von ihren Erlebnissen während der Deutsch-Polnischen Jugendbegegnung bei der Stiftung Kreisau. Mit dabei ist auch Lampertheims Altbürgermeister Erich Maier. Foto: Thorsten Gutschalk

Von Helmut Orpel

AUSTAUSCH Alfred-Delp-Schüler der 10. Klasse eine Woche zu Gast in der polnischen Begegnungsstätte Kreisau

LAMPERTHEIM – Lobende Worte fand Bürgermeister Gottfried Störmer für den Schüleraustausch zwischen der Alfred- Delp-Schule, Lampertheim, und dem Gymnasium in Pszenno (früher Weizenrodau) in Polen. Für die siebzehn jungen Leute aus Lampertheim und die begleitenden Lehrer war diese Reise eine Pionierleistung, über die sie im Sitzungssaal dem Bürgermeister und den Pressevertretern berichteten. Fast eine ganze Woche verbrachten die Schüler aus Deutschland und Polen in der historischen Begegnungsstätte Stiftung Kreisau zusammen. Krzyzowa, wie Kreisau auf Polnisch heißt, liegt auf der Gemarkung der Lampertheimer Partnergemeinde Schweidnitz/Swidnica im ehemaligen Niederschlesien. Seit über 10 Jahren bestehen dorthin Verbindungen. Mit dem Ort, an dem der Schüleraustausch stattfand, hat es darüber hinaus aber noch eine besondere Bewandtnis. Alfred Delp, der Namensgeber der Lampertheimer Schule, wirkte hier im NS-Widerstand, im sogenannten „Kreisauer Kreis“ um Helmuth James Graf von Moltke.

Die Wahl des Ortes, an dem die Schüler ihre gemeinsame Zeit verbrachten, war also Programm und ein Teil der Aufgabe der Lampertheimer Schüler bestand darin, die Geschichte Delps aufzuarbeiten und den polnischen Schülern nahezubringen. Umgekehrt recherchierten die polnischen Kollegen über Florian Marciniak, einen polnischen Widerstandskämpfer.

Vorurteile abbauen und das Weltbild erweitern

Die Kommunikationssprache während der fünf Tage war Englisch und das klappte, laut den Schülern, die zur Pressekonferenz mitgekommen waren, sehr gut. Davon konnte man sich auch in der Präsentation überzeugen, die von den Teilnehmern der Reise ausgearbeitet worden war. Die Fotos und Videos machten deutlich: Die jungen Leute verstanden sich gut. Vorurteile abzubauen und das Weltbild zu erweitern, war das Ziel der Schülerreise. Und das ist ganz gut gelungen. „Die Schüler aus Lampertheim gehörten unterschiedlichen Klassen an, von der siebten bis zur zehnten“, erzählte Herma Dölger, die mit den Schülern gereist ist. „Die Schüler aus Polen kamen alle aus einer Klasse, der zehnten, waren also zwischen vierzehn und fünfzehn Jahre alt.“ Altersunterschiede spielten aber rasch keine Rolle mehr, ebenso wenig die unterschiedlichen Muttersprachen. In Kreisau fühlten sich die jungen Leute sehr wohl.

„Die Jugendherberge auf dem Gelände war total modern“, begeisterte sich eine Schülerin. „Polen ist cool“, lautete ein weiteres Statement. Und auf die Frage von Gottfried Störmer, wer denn bei der nächsten Polenreise wieder mit dabei sein wird, reckten sich 17 Hände. „Die Aufgabe, das Zusammenwachsen Europas nach Osten hin zu erweitern, ist eine relativ neue Aufgabe“, so das Statement des Lampertheimer Stadtoberhaupts. „Neu, im Vergleich zu dem des Alten Europa, wo Lampertheim mit seinen Städtepartnerschaften mit Ermont (Frankreich), Maldegem (Belgien), Adria (Italien) und Wierden (Niederlande) seinen Beitrag leistet.“ Deswegen unterstützt die Stadt die Initiative der Schule ganz besonders. Und auch die Bürgerstiftung, die durch Erich Maier bei der Pressekonferenz vertreten war, beteiligte sich großzügig.

„Das Besondere bei dieser Reise ist die Verständigung zwischen den jungen Leuten über die ehemaligen Blockgrenzen hinweg. Das wollen wir fördern“, begründete der ehemalige Lampertheimer Bürgermeister die Großzügigkeit der Stiftung. Dafür bedankten sich auch Schulleiterin Sylvia Meier und Lehrerin Herma Dölger.

Gerade angesichts der Debatte um die wieder aufkeimende nationale Abschottung einzelner Länder ging es Herma Dölger bei dem Schüleraustausch auch darum, zu zeigen, wie international die Klassen in ihrer Schule sind, denn von den 17 Mitreisenden hatten viele nichtdeutsche Wurzeln. Die polnischen Klassen wirken dagegen oft sehr homogen. Natürlich ging es bei der Klassenreise auch um leichtere Themen wie die Aufarbeitung des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten. Es ging ums Kennenlernen und wo kann man das besser als beim Tanz. Für jeden polnischen Schüler gehört es dazu, die Polonaise tanzen zu lernen, die beim Abschlussball vorgeführt werden muss. Und so lernten auch die Lampertheimer Schüler diesen Tanz. Die gemeinsame Reise in die europäische Kulturhauptstadt Breslau war leider aufgrund des Wetters nicht so angenehm, denn es regnete den ganzen Tag. Und so fanden die Besichtigungen meist drinnen statt, in der schön hergerichteten Markthalle und in der Shopping Mall.

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