Plattform fürs Leben geschaffen

Zum obligatorischen Gruppenfoto trafen sich die Schulabgänger auf der Tribüne des benachbarten Stadions. Foto: Thorsten Gutschalk

Von Meike Paul

ALFRED-DELP-SCHULE Abschlussfeier von 86 Real- und 39 Hauptschülern

LAMPERTHEIM – Etwas wackelig stöckeln sie über Schottersteine und die unebene Wiese, die festlichen Kleider hochgerafft und bei der Freundin eingehakt. Dass sie an ihrem großen Tag über solch einen Hindernisparcours stapfen werden, hatten die Schülerinnen der Alfred-Delp-Schule bei ihrer Kleiderauswahl wohl nicht bedacht. Die Jungs haben auf dem Weg zum Jahrgangsfoto ihren Spaß. Ist ja auch ganz klar bei bequemen Sneakers und Boots.

Doch ein letztes gemeinsames Bild auf der Tribüne ist dem stellvertretenden Schulleiter Alexander Böhm ein ganz besonderes Anliegen: „Es ist doch schön, alle nochmal zusammen zu sehen. Dazu haben wir herrliches Wetter. Toll“, freut er sich.

Zum dritten Mal hat die Alfred-Delp-Schule ihre Abschlussfeier in die Hans-Pfeiffer-Halle gelegt. Zum dritten Mal versammelt man sich im Stadion fürs Gruppenbild. „Früher waren wir da eben auf ebenem Boden in der Mensa“, muss nun auch Böhm über das Schauspiel schmunzeln.

Im Anschluss geht es postwendend zurück in den festlich geschmückten Saal zur Zeugnisvergabe. Die Freunde und Eltern warten schon sehnsüchtig auf ihre Absolventen. 86 Real- und 39 Hauptschüler haben es in diesem Jahr geschafft. Nur drei müssen das Jahr leider wiederholen. „Das können die Schüler aber selbst entscheiden. Es besteht auch die Möglichkeit, direkt auf die Berufsschule zu gehen“, erklärt Schulleiterin Sylvia Meier, die mit den wertvollen Dokumenten und weißen, langstieligen Rosen auf ihre Schützlinge wartet. Als Abschlussbeste hat sich Lena Schober mit einem Notendurchschnitt von 1,3 hervorragend geschlagen.

Zwar waren die Vorbereitungen der Feier für ihn nach eigenen Angaben mehr wie ein Sack Flöhe hüten: „Ich mache drei Kreuze, wenn alles vorbei ist und geklappt hat“, doch sich von den Schülern zu verabschieden, fällt dem Schuloberhaupt Böhm sichtlich schwer. Doch nicht nur an den Lehrkräften, auch den Teenagern geht dieser Tag nicht spurlos vorbei. Das Ende ihrer Schulzeit, auf das sie doch eigentlich so sehnlichst gewartet hatten, ist nun plötzlich da. „Irgendwie unwirklich“, bewertet eine Realschülerin diesen Lebensabschnitt benommen.

„Jeder bekommt einen Doktorhut, ein sogenanntes Mörtelbrett“, erklärt Sylvia Meier. Damit wolle man weniger den beruflichen Werdegang bestimmen als vielmehr den Absolventen ein Versprechen abringen: „Dass ihr etwas mit eurem Leben anfangt! Den Weg habt ihr euch bis hierher geebnet“, betont die Leiterin. „Seht das heute als erreichten Zwischenstand. Eine Plattform, auf der ihr euch kurz ausruhen, aber auch Schwung für neue Ziele holen könnt. Wenn diese zu groß sind, dann könnt ihr euch immer wieder auf diese Plattform zurückbesinnen. Sie wird euch Halt geben“, sagt Alexander Böhm poetisch.

Schüler drehen Film über ihre Lehrer

Dann sind die Schüler selbst an der Reihe. Die Klasse 10 cR hat einen kleinen Film vorbereitet. Darin porträtieren die Kids ihre Lehrer. „Wir wollen aber nicht verärgern, sondern nur zum Lachen bringen“, kündigt eine Schülerin vorher an. Zu sehen sind junge Erwachsene, die über die Berufswahl ihrer Schutzbefohlenen witzeln. Klassenleiterin Christel Günster kommt dabei als sehr nette Lehrkraft weg. Vielleicht zu nett? Doch das ist Günster egal. Sie überreicht ihren Schülern die Zeugnisse und wünscht ihnen einen Regenbogen: „Einer, der euch aufleuchten lässt. Mit allen Farben. Einer, der euch erfüllt!“

Wenngleich sie es sich gegenseitig nicht immer leicht gemacht haben, scheinen Schüler und Lehrer für die vergangenen Jahre dankbar zu sein. „Danke für die tolle Lippenstift-Beratung“, bekunden beispielsweise die Teenager der 9 bH und rühren Lehrerin Gülsen Yilmaz zu Tränen. Die hat in der gemeinsamen Arbeit nämlich auch Völkerverständigung verstanden. „Wir haben Ordnung, Toleranz, Pünktlichkeit und Respekt gelernt!“, sagt sie und hat damit eine gesunde Basis für ein multikulturelles Miteinander geliefert.

© Echo Zeitungen GmbH

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