Probleme der Jugend im Blick

Zehn Institutionen informieren die Schüler mit Stellwänden und im Gespräch über ihre Arbeit. Foto: Thorsten Gutschalk

Von Vanessa Dörfler

REALSCHULTAG Netzwerkpartner laden Achtklässler der Alfred -Delp-Schule zu Informationsveranstaltung ein

LAMPERTHEIM – Rund 90 Schüler tummelten sich am gestrigen Dienstag in der Zehntscheune, blickten mal neugierig, mal zurückhaltend auf die zahlreichen Stellwände. Allesamt waren sie von der Alfred-Delp-Schule in die Innenstadt gelaufen, um vom 13. Realschultag der Kooperation Lampertheim zu profitieren. Einmal im Jahr veranstaltet die Initiative der Stadtverwaltung gemeinsam mit Netzwerkpartnern diesen Infotag für alle 8. Realschulklassen, vorgestellt werden Jugendhilfsangebote von Schuldnerberatung bis zu Drogenhilfe, von Sexualaufklärung bis zu Familienberatung.

Jede der teilnehmenden Institutionen – insgesamt zehn verschiedene – erklärte die eigene Arbeit in einer kurzen Vorstellungsrunde, dann mussten sich die Schüler entscheiden: Will ich mehr über meine Sexualität wissen, interessiert mich, was die Polizei zu sagen hat, oder will ich die Jugendförderung der Stadt Lampertheim kennenlernen?

Aufgeteilt in kleine Arbeitsgruppen und den jeweiligen Institutionen zugeordnet, verbrachten die Jugendlichen schließlich den Rest des Schultages damit, die Angebote der einzelnen Teilnehmer genauer kennenzulernen. Zum ersten Mal mit dabei war das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, das Auszubildenden kostenlose Unterstützung beim Lernen anbietet und bei den Jugendlichen bislang wenig bekannt ist. Mit dem Realschultag soll sich das nun ändern. Sind die Realschüler in zwei Jahren in einer Ausbildung und haben Lernprobleme, dann kennen sie die Angebote des Hilfswerks und wissen, an wen sie sich wenden können.

Denn darum geht es bei der Kooperation Lampertheim: Sie besteht seit 30 Jahren und setzt voll auf gut durchdachte Prävention. Für Dieter Müller ist ganz klar, warum er beim Realschultag mitmacht. Der Polizist der dezentralen Ermittlungsgruppe Lampertheim-Viernheim ist für die Jugendarbeit auf der Station zuständig, er weiß, wie wichtig Aufklärung ist. „Aufpassen und nachdenken, sensibilisieren, was man tut, das ist das Wichtige“, sagte er. Er sprach mit den Schülern über Alkohol und Gewalt, aber auch über Gefahren aus dem Internet und den neuen Medien. Er beobachte in den sozialen Medien keinerlei Kultur mehr, sowohl in der Sprache als auch im Umgang miteinander. „Zurzeit werden häufig Nacktbilder als Drohung eingesetzt.

Soziale Medien auch als Bedrohung

Geht eine Beziehung in die Brüche, haben viele Mädchen Angst vor einer Veröffentlichung von persönlichen Bildern, darüber spreche ich mit den jungen Leuten und auch über illegale Musikdownloads“, erklärte er.

Der Realschultag war die letzte Veranstaltung der Initiative in diesem Jahr. Steffen Brammer, Karoline Rumpf und Kimberly Keller von der Bensheimer Sexualberatungsstelle pro familia nutzten die Gelegenheit, den Jugendlichen die Schwellenangst zu nehmen. Offen gingen sie auf die Schüler zu, machten ihnen klar, dass sie längst noch nicht alles über ihre Sexualität wissen, dass jeder aber nachfragen kann. „Ich brauche hier Leute, die sich interessieren, keine, die einfach nur die Klappe aufreißen“, sagte Brammer gleich zu Beginn deutlich. Wissen, wie ein Frauenkörper, erfahren, wie ein Männerkörper funktioniert – Themen rund um Liebe, Sex und Partnerschaft sind nicht einfach zu vermitteln. „Ihr sollt wissen, dass es uns gibt“, bekräftigte Brammer.

Zwischen Gesprächen über Schuldenprävention, Jugendrecht und Drogenberatung, Fragen nach Glücksspielen und Taschengeld standen die vielen Schüler oft mit verschränkten Armen, oft aber auch mit interessierten Blicken und gespitzten Ohren. Vielleicht nicht umsonst hatte auch Tanja Leonhardt von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Fotos mit dem Straßenschild, dem Gebäude und den Räumen der Beratungsstelle in der Lampertheimer Blücherstraße an ihre Pinnwand geheftet.

Gerät einer der Schüler in Not, hat Zoff zuhause oder mit einem Lehrer, erinnert er sich unter Umständen an den Realschultag und kennt den Weg in die Beratungsstelle. „Wir stellen die Sekretärin vor, zeigen unsere Räume und sagen den Jugendlichen ganz klar, dass sie bei uns Vorrang vor Erwachsenen haben und auch vertraulich und alleine mit uns sprechen können“, sagte die Diplom-Psychologin.

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