Welchen Einfluss Corona auf Praktika und Betriebe nimmt

Durch die Pandemie hat sich die Zahl der Praktika im Kreis Bergstraße reduziert. Doch nicht alle mussten auf die erste Berufserfahrung verzichten. Was war und ist möglich?

 
Von Christopher Hechler
Volontär
 

Durch die Pandemie bleibt einigen Schülern ein Praktikum verwehrt. Doch Konrektor Mario Mörstedt von der Alfred-Delp-Schule in Lampertheim berichtet, dass es dennoch immer mal wieder die Möglichkeit für einen Einblick in den Beruf gab. (Foto: Thorsten Gutschalk)

 
KREIS BERGSTRASSE – Ein Blick in die Zukunft, bevor die Schule endet und der Arbeitsalltag beginnt: Schülerpraktika sind für Jugendliche ab der 8. Klasse eine wichtige Hilfe bei der Berufsorientierung. Wegen der Corona-Pandemie fallen solche Gelegenheiten zur Praxiserfahrung aber seit März letzten Jahres teils gänzlich aus, berichten Schulen im Kreis Bergstraße auf Nachfrage. Für künftige Abgänger könnte das problematisch werden.
„Die Schulzeit ist eine einmalige Sache“, sagt Mario Mörstedt von der Alfred-Delp-Schule in Lampertheim, „was man da nicht mitnehmen kann, hat man für immer verpasst.“ Das meint in diesem Fall vor allem wichtige Kontakte, weiß der Konrektor: „Viele Schüler finden ihre Lehrstelle über ihr Praktikum“, so Mörstedt, laut dem es in den letzten Monaten zumindest immer mal wieder die Möglichkeit gegeben habe, Praxiserfahrung zu sammeln.
 
Während es in der Martin-Buber-Schule in Heppenheim laut Konrektorin Beate Späth „gar nicht so dramatisch“ gewesen sei, weil relativ viele Schüler ein Praktikum hätten wahrnehmen können, ist bei der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim einiges weggefallen, bestätigt Berufskoordinator Marcel Keller. Zwar durften Praktika, „solange ein Einverständnis von der Schule, vom Betrieb und von den Eltern“ vorlag, absolviert werden, aber: „Ungefähr ein Drittel hat das genutzt, zwei Drittel konnten keine Praktika machen, weil meist Absagen von den Betrieben kamen.“ Immerhin digitale Alternativen zum herkömmlichen Praktikum habe es aber von verschiedenen Unternehmen gegeben, so Keller.
Eines davon war das ebenfalls in Bensheim ansässige Dentsply Sirona, bei dem in normalen Zeiten jährlich rund 50 Schüler ihr Praktikum antreten, erzählt Senior Corporate Communications Manager Anna Hinrichsen. Stattgefunden hätten demnach unter anderem digitale Betriebserkundungstage, bei denen in der Regel eine ganze Klasse beteiligt gewesen sei. „Das Programm bestand aus allgemeinen Infos zur Firma, zu den Berufen und zum Bewerbungsprozess“, berichtet Hinrichsen. Zwar sei so etwas „sehr gut angenommen worden“, aber „digitale Angebote können definitiv nicht den direkten Eindruck vor Ort ersetzen. Es fehlt die Haptik, auch das eigene Ausprobieren an der Werkbank und somit die ‚Sicherheit‘ für die Schüler, den ‚richtigen‘ Beruf gefunden zu haben.“
 
Die fehlende Vor-Ort-Erfahrung bringt für Schüler und Betriebe gleichermaßen Nachteile mit sich. Man stelle fest, erklärt Susanne Berneit von der Agentur für Arbeit, „dass die Berufswünsche der Jugendlichen und die angebotenen Berufe noch weniger als sonst zusammenpassen. Die Jugendlichen sind viel klarer in der Vorstellung, was sie machen möchten. Die Alternativen haben sie nicht gesehen,“ so die Teamleiterin für Berufsberatung. Auch der Schritt ins Studium könnte nun schneller passieren als sonst, weil „Dinge wie Work and Travel quantitativ deutlich geringer möglich“ seien.
Aufseiten der Unternehmen sind Schülerpraktika gerade im Handwerk „ein ganz wichtiges Instrument, damit junge Menschen die Betriebe kennenlernen können“, sagt Dietmar Schott, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergstraße. Mittelfristig sei deshalb klar, dass die Handwerksbetriebe in der Region solche Praktika wieder anbieten wollen. Zwar habe man gesehen, dass das Interesse am Handwerk noch da sei, doch „der Fachkräftemangel war vor Corona schon da, Ausbildungsplätze zu besetzen ist ein großes Thema für uns“, so Schott. Ermutigende Worte findet Susanne Berneit: Die kleine Firma habe es in diesem Jahr zwar nicht leichter, sie würde aber nicht sagen, „dass es für die Betriebe deutlich schlechter geworden ist.“ Und auch für Schulabgänger sehe es auf dem Ausbildungsmarkt gut aus. „Wir haben alle Berufe noch da, auch in den Branchen, die wirklich gebeutelt waren“, so Berneit.
Und: In manchem Heppenheimer Betrieb klappte ein Praktikum mit entsprechenden Hygienemaßnahmen und Schnelltests sogar schon während der Corona-Zeit. 23 Schüler konnten seit März 2020 bei der Sparkasse Starkenburg einen Blick in den Betrieb werfen, berichtet Katja Arnold vom Personalmanagement. Auch bei der KfZ-Werkstatt A.T.U lief laut Geschäftsführer Nertil Bunjaku „alles normal“. Im Agaplesion Haus Johannes beispielsweise, gab es dagegen erst gar keine Anfragen, Praktikanten hätte man bis Mai dieses Jahres aber ohnehin nicht nehmen dürfen, sagt Marcel Bürner von der Unternehmenskommunikation der HDV GmbH.

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